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Chance für Heidenrod;

Ansiedlung eines Mittelständlers mit regionaler Holzverarbeitung
– Transparenter Schnellüberblick über Sachstand –

 

– Es geht um die Herstellung von Holzkohle mit hohem ökologisch nachhaltigem und sozialen Standard durch ein mittelständiges Familienunternehmen, um umweltschädlichen Raubbau und Wildwuchs in diesem Bereich, größtenteils in den Schwellenländern und Osteuropa, einzudämmen.

– Es wird im Produktionsprozess Strom aus nachwachsender Ressource in der Größenordnung von etwa 2 Windkraftanlagen erzeugt, dabei wird nicht mehr CO² frei als im Rahmen der nachhaltigen Waldwirtschaft durch das nachwachsende Holz gebunden wird.

 

– Es entstehen ca. 90 Arbeitsplätze.

 

– Es werden ca. 180.000 Festmeter Holz je Jahr benötigt, dadurch ergeben sich in der Region und insbesondere in Heidenrod neue Holzvermarktungsoptionen mit der Chance, aktiv eine naturnahe Waldpflege zu ermöglichen.

 

– Der LKW-Verkehr wird derzeit auf 80 LKW je Arbeitstag (Montag – Freitag) geschätzt. Das sind 1- 2 LKW je Arbeitsstunde und für jede der drei Anfahrtsrichtungen, wobei etwa zwei Drittel der Anlieferung und ein Drittel der Auslieferung zugerechnet werden.

 

– Es wird eine Waldfläche von 13 bis 15 Hektar benötigt. Der Wald, konkret eine junge Fichtenaufforstung von 1994, kann ersatzaufgeforstet werden.

 

– Die Betriebsgestaltung und -größe sind sehr gut mit der Fa. Kopp in Kemel vergleichbar, so dass in Heidenrod ein Anschauungsobjekt vorhanden ist.

 

– Das komplizierte Genehmigungsverfahren muss durch Beschluss der Gemeindevertretung gestartet werden, was frühestens im Juni 2020 erfolgen kann.
Danach würde ein ca. 2 Jahre dauerndes Prüfverfahren beginnen, in dem dann bestehende Bedenken vorgetragen werden können und – mit einer Vielzahl von Gutachten – alle offenen Fragen und die Genehmigungsfähigkeit sowie notwendige Festsetzungen zu klären sind.

Ansiedlung eines holzverarbeitenden Betriebes in Heidenrod:

Klimabilanz der Biofabrik

 

Die Diskussion zur geplanten Biofabrik in Heidenrod hat die Frage nach den CO2-Emissionen und somit der der Klimabilanz des Unternehmens aufgeworfen. Um diese Diskussion angemessen zu führen ist es notwendig den Prozess der nachhaltigen Waldwirtschaft und die stoffliche Verwertung des Holzes insgesamt zu betrachten. Daraus ergibt sich, dass bei der Unternehmung keine klimarelevanten Mengen an CO2 ausgestoßen werden. Außerdem kommt es, je nach Nutzung der Produkte, zur Vermeidung von klimaschädlichem CO2 an anderer Stelle. Insgesamt handelt es sich somit um ein Klimaschutzprojekt mit einer negativen CO2-Bilanz.

Die Grundlage dafür bietet die nachhaltige Waldwirtschaft. Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald hat einen jährlichen Holzuwachs von 6 – 8 fm/ha und Jahr und kann damit ca. 6 – 8 t CO2/ha und Jahr aus der Luft aufnehmen und speichern. Mit zunehmendem Alter verliert der Wald jedoch die Kapazität der CO2 Aufnahme, denn Wachstum und das natürliche Absterben und Zersetzen der Bäume stehen im Gleichgewicht. Außerdem werden Wälder bei mangelnder Waldpflege anfällig für Stürme, Schädlinge und Waldbrände, was zu einer raschen Freisetzung des gespeicherten Kohlenstoffes führen kann.

Durch die gezielte Waldpflege wird dieses Risiko gemindert und das zugewachsene Holz wird regelmäßig geerntet, was die Erneuerung des Waldes und eine weitere CO2 Aufnahme anregt.

Wird das geerntete Holz als Brennholz oder zur Stromgewinnung verwendet, so wird die enthaltene Energie genutzt und das natürliche gebundene CO2 wieder freigesetzt. Da dadurch der natürliche Kohlenstoffkreislauf geschlossen wird spricht man von einer erneuerbaren und CO2-neutralen Energiequelle. Kommt es durch die energetische Nutzung zu einer verminderten Verwendung von fossilen Brennstoffen, so ergibt sich eine globale Minderung des klimawirksamen CO2-Ausstoßes.

Im Falle der Biofabrik soll das geerntete Holz einerseits zu Holzkohle, andererseits zu Strom umgesetzt werden. Dabei werden zwei Drittel des Kohlenstoffes in der Holzkohle gebunden und erst dann wieder frei, wenn das Produkt verbrannt wird, genau wie es auch beim Brennholz geschieht. Werden mit dieser nachhaltigen Holzkohle andere fossile Brennstoffe oder nicht nachhaltige Holzkohle aus dem Ausland verdrängt, so trägt dies wiederum zur Vermeidung des globalen Klimawandels bei.

Das letzte Drittel des im Holz gebundenen Kohlenstoffes wird bei der Stromerzeugung frei, wie es auch im Falle eines normalen Biomassekraftwerkes geschieht. Da dieser Prozess klimaneutral ist, sind solche Kraftwerke als erneuerbare Stromquellen anerkannt und werden vom deutschen EEG gefördert. Da man mit diesem erneuerbaren Strom Kohlekraftwerke ersetzen kann ergibt sich wiederum eine Minderung des globalen CO2-Ausstoßes.

Es kommt bei der Diskussion zu den CO2 Emissionen der Anlage in erster Linie also nicht darauf an wieviel CO2 durch den Prozess freigesetzt wird, sondern dass es sich beim Rohstoff um nachhaltig geerntetes Holz handelt.

Bei der Frage des Nutzens, den das Projekt für das globale Klima hat, kommt es hingegen auf die effiziente Verwendung seiner Produkte an, eine Frage, die im nächsten TIP „Heidenroder Nachrichten“ diskutiert werden soll.

 

Der 300.000 t – Irrtum

Nota bene: Der Sachverhalt einer ausgeglichenen Klimabilanz des Projektes wurde, anlässlich der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen, Verkehr und Wirtschaft vom Juni 2020, auf eine Frage aus dem Plenum diskutiert. Dabei kam es zu einer ersten Einschätzung, dass das angelieferte und verarbeitete Holz einer Menge von ca. 300.000 t natürlichem und klimaneutralem CO2 entsprechen. Bei dieser spontanen Einschätzung wurde außer Acht gelassen, dass das Holz mit einer relativen hohen Feuchtigkeit von bis zu 50% angeliefert wird und deshalb ist dieser Wert falsch genannt worden. Zieht man diesen hohen Wassergehalt in Betracht, lässt sich errechnen, dass der Rohstoff in etwa 182.000 t CO2 gebunden hat. Davon werden durch den Prozess der Biofabrik dann ca. 120.000 t CO2 als Kohlenstoff in der Holzkohle gebunden und ca. 62.000 t CO2 an der Anlage selbst freigesetzt. Auf der Basis dieser Massenbilanz lässt dich die erste Einschätzung auf nun 182.000 t CO2 präzisieren, auch wenn das für die ausgeglichene Klimabilanz des Projektes unerheblich ist. Die Details zu dieser Diskussion können Sie dem offenen Briefaustausch mit dem BUND entnehmen, der hier im TIP für sie abgedruckt wird.

 

Wir bitten diese Irritation zu entschuldigen.